Vor rund 200 Millionen Jahren lag die heutige Schwäbische Alb unter einem warmen Meer. Ammoniten, Fischsaurier und zahlreiche andere Meerestiere bevölkerten seine Gewässer. Ihre fossilen Überreste und die damals entstandenen Gesteinsschichten prägen die Region bis heute.
Was war das Jurameer?
Während der Jurazeit vor rund 200 bis 145 Millionen Jahren bedeckte ein ausgedehntes Meer weite Teile Mitteleuropas. Auch das Gebiet der heutigen Schwäbischen Alb lag damals überwiegend unter Wasser.
Am Meeresboden lagerten sich Kalkschlamm, Ton und Überreste von Meerestieren ab. Aus diesen Ablagerungen entstanden die Gesteine, die heute große Teile der Schwäbischen Alb prägen.
Schwarzer, Brauner und Weißer Jura
Die Gesteine der Schwäbischen Alb entstanden während der Jurazeit. Sie werden traditionell in Schwarzen, Braunen und Weißen Jura unterteilt.
Schwarzer Jura
auch "Unterjura"
vor ca. 200 bis 175 Mio. Jahren
Versteinerte Ammoniten im Schwarzen Jura
© Paul Bossenmaier
Dunkle Ton-, Mergel- und Kalkgesteine prägen den Schwarzen Jura. Besonders bekannt ist der fossilreiche Posidonienschiefer. Die Gesteine finden sich vor allem im Albvorland.
Brauner Jura
auch "Mitteljura"
vor ca. 175 bis 165 Mio. Jahren
Versteinerte Seelilie im Braunen Jura
Eisenhaltige Minerale verleihen vielen Gesteinen ihre bräunliche Färbung. Der Braune Jura tritt besonders im Albvorland und an den unteren Hängen des Albtraufs zutage.
Weißer Jura
auch "Oberjura"
vor ca. 165 bis 145 Mio. Jahren
Die hellen Kalk- und Mergelgesteine des Weißen Jura bilden große Teile der Albhochfläche und die markanten Felsen am Albtrauf. Auch viele Höhlen der Schwäbischen Alb sind in diesen Kalksteinen entstanden.
Welche Tiere lebten im Jurameer?
Das Jurameer war Lebensraum zahlreicher Tierarten. Einige ihrer fossilen Überreste gehören heute zu den bekanntesten Zeugnissen der Jurazeit.
Und an Land? Dort lebten zur selben Zeit Dinosaurier – von großen Pflanzenfressern bis zu mächtigen Raubtieren. Auch Flugsaurier bevölkerten die damalige Welt. Da das Gebiet der heutigen Schwäbischen Alb während der Jurazeit überwiegend unter Wasser lag, erzählen die hiesigen Gesteine vor allem vom Leben im Meer. Spektakuläre Fossilfunde von Flugsauriern zeigen jedoch, dass auch die Tierwelt über dem Wasser ihre Spuren hinterlassen hat.
Ammoniten
Ammoniten waren Kopffüßer mit spiralig eingerollten Gehäusen und gehören zu den bekanntesten Bewohnern des Jurameers. Ihre versteinerten Schalen finden sich bis heute sehr häufig in den Juragesteinen der Schwäbischen Alb.
Besonders spannend: Weil sich die verschiedenen Ammonitenarten im Laufe der Zeit rasch veränderten, helfen ihre Fossilien dabei, das Alter von Gesteinsschichten zu bestimmen.
Belemniten
Belemniten waren mit den heutigen Tintenfischen verwandt und bewegten sich schwimmend durch das Jurameer. Von ihnen sind besonders häufig die länglichen, kegelförmigen Hartteile ihres inneren Skeletts erhalten geblieben.
Diese Fossilien werden im Volksmund "Donnerkeile" genannt.
Ichthyosaurier
Mit ihrem stromlinienförmigen Körper und den paddelförmigen Flossen waren Ichthyosaurier hervorragend an das Leben im Meer angepasst. Die Meeresreptilien ähnelten äußerlich heutigen Delfinen, waren mit ihnen jedoch nicht verwandt.
Weltberühmt sind die außergewöhnlich gut erhaltenen Ichthyosaurier-Fossilien aus dem Posidonienschiefer von Holzmaden.
Plesiosaurier
Plesiosaurier waren Meeresreptilien, die sich mit vier kräftigen, paddelförmigen Flossen durch das Wasser bewegten. Viele Arten besaßen einen auffallend langen Hals und einen vergleichsweise kleinen Kopf.
Auch ihre fossilen Überreste sind aus den Juragesteinen Süddeutschlands bekannt. Wie die Ichthyosaurier waren sie keine Dinosaurier, sondern gehörten zu eigenständigen Gruppen von Meeresreptilien.
Seelilien
Trotz ihres Namens sind Seelilien keine Pflanzen, sondern Meerestiere aus der Gruppe der Stachelhäuter. Mit ihren gefiederten Armen filterten sie Nahrung aus dem Wasser. Viele Arten waren über einen langen Stiel am Meeresboden befestigt.
Ihre versteinerten Stielglieder und manchmal sogar vollständige Exemplare sind in den Juragesteinen der Schwäbischen Alb erhalten geblieben.
Wie entstehen Fossilien?
Unter günstigen Bedingungen können Überreste von Lebewesen über Millionen von Jahren erhalten bleiben. Wie aus einem Ammonitengehäuse ein Fossil wird, zeigen vier Schritte.
1
Das Gehäuse eines Ammoniten sinkt auf den Meeresboden. Die Weichteile werden meist zersetzt
2
Schlamm und andere Ablagerungen bedecken das Gehäuse und schützen es vor weiterer Zerstörung.
3
Die Sedimente verfestigen sich zu Gestein. Das Gehäuse bleibt erhalten, verändert sich mineralisch oder hinterlässt einen Abdruck.
4
Hebung, Verwitterung und Erosion legen das Millionen Jahre alte Fossil wieder frei.
Wo kannst du Fossilien auf der Schwäbischen Alb entdecken?
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