Schafherden gehören seit Jahrhunderten zum Landschaftsbild der Schwäbischen Alb. Bis heute prägen sie die charakteristischen Wacholderheiden und sind eng mit der Geschichte der Region verbunden. Die Schäferei ist dabei nicht nur ein traditionsreiches Handwerk, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der heutigen Landwirtschaft und Landschaftspflege.
Eine jahrhundertealte Tradition
Die Schäferei hat auf der Schwäbischen Alb eine lange Geschichte. Auf den kargen, steinigen Böden war Ackerbau vielerorts nur eingeschränkt möglich. Die Schafhaltung bot dagegen eine Möglichkeit, auch nährstoffarme Flächen landwirtschaftlich zu nutzen.
Besonders prägend wurde die Wanderschäferei. Schäfer zogen mit ihren Herden zwischen verschiedenen Weidegebieten und nutzten je nach Jahreszeit unterschiedliche Flächen. Im Sommer weideten die Tiere häufig auf der Albhochfläche, während sie in der kalten Jahreszeit auch in tiefer gelegene Regionen geführt wurden.
Über Jahrhunderte war die Schäferei ein wichtiger Wirtschaftszweig. Vor allem die Produktion von Wolle und Fleisch sicherte den Lebensunterhalt zahlreicher Schäferfamilien. Mit dem Wandel der Landwirtschaft und der Textilindustrie veränderten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend.
Seit über 1.000 Jahren „mäht“ es auf der Alb
Die Schafhaltung hat eine lange Geschichte: Bereits für die Karolingerzeit im 8. und 9. Jahrhundert ist sie in Deutschland historisch belegt. Auf der Schwäbischen Alb entstanden im Mittelalter herrschaftliche Schafhöfe, auf denen große Herden gehalten wurden. Eine eigene Schäferei zu betreiben, war damals nicht ohne Weiteres möglich: Dafür benötigte man die Genehmigung des Landesherrn, denn die Schäferei und die Nutzung der Weideflächen waren mit besonderen Privilegien verbunden.
Wie Schafe die Landschaft der Schwäbischen Alb erhalten
Die Schafbeweidung ist entscheidend für den Erhalt vieler Wacholderheiden auf der Schwäbischen Alb. Ohne regelmäßige Pflege würden diese offenen Flächen zunehmend verbuschen. Die charakteristische Landschaft und wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten gingen dadurch nach und nach verloren.
Indem Schafe die Vegetation abweiden, halten sie die Flächen offen. Davon profitieren lichtliebende Pflanzen und spezialisierte Tierarten. Auf den artenreichen Kalkmagerrasen wachsen unter anderem Orchideen und Enziane. Auch Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten finden hier geeignete Lebensräume.
Schafe sind außerdem lebendige Samentaxis: In ihrem Fell, an den Klauen und über den Verdauungstrakt transportieren sie Pflanzensamen von einer Weidefläche zur nächsten. Besonders die Wanderschäferei kann dadurch zur Verbreitung von Pflanzenarten und zur Vernetzung verschiedener Lebensräume beitragen.
Die Schäferei leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz. Ergänzend zur Beweidung sind vielerorts weitere Pflegemaßnahmen notwendig, beispielsweise das Entfernen aufkommender Gehölze.
Schäferei heute auf der Schwäbischen Alb
Auch heute gehört die Schäferei zur Schwäbischen Alb. Schäferinnen und Schäfer versorgen ihre Herden, bewirtschaften Weideflächen und halten damit ein traditionsreiches Handwerk lebendig. Ihre Arbeit erfordert Erfahrung, Ausdauer und ein gutes Gespür für Tiere und Landschaft.
Eine typische Schafrasse der Region ist das Merinolandschaf. Die robusten Tiere eignen sich gut für die Beweidung der Alb. Neben der Wanderschäferei gibt es heute auch andere Formen der Schafhaltung, bei denen die Tiere beispielsweise auf eingezäunten Weideflächen grasen.
104 Schafe, die Geschichte schrieben
1786 kamen 104 Merinoschafe aus Spanien und Frankreich nach Württemberg. Mit ihrer besonders feinen Wolle sollten sie die heimische Schafzucht verbessern. Durch die Kreuzung mit einheimischen Schafen entwickelte sich über Generationen das Württembergische Merinolandschaf – ein Vorläufer des heutigen Merinolandschafs, das auf der Schwäbischen Alb weit verbreitet ist.
Von Wolle bis Lammfleisch – Produkte aus der Schäferei
Wolle, Fleisch und Felle gehören seit Jahrhunderten zu den Erzeugnissen der Schäferei auf der Schwäbischen Alb. Während Schafwolle früher ein bedeutender Rohstoff war, ist ihre wirtschaftliche Vermarktung heute häufig schwierig. Dennoch entstehen aus regionaler Wolle weiterhin Produkte wie Filzartikel, Kleidung und Wohnaccessoires.
Eine wichtige Einnahmequelle vieler Schäfereibetriebe ist heute die Erzeugung von Lammfleisch. Regionales Lammfleisch findet unter anderem in Metzgereien und der Gastronomie Verwendung. Ein bekanntes Beispiel ist das Alblamm, das für regional erzeugtes Lammfleisch aus der Schäferei auf der Schwäbischen Alb steht.
Wer regionale Erzeugnisse aus der Schäferei kauft, unterstützt damit die Betriebe und trägt mittelbar auch zum Erhalt der traditionellen Weidelandschaften bei.
Schäferei auf der Schwäbischen Alb erleben
Ob auf einer Wanderung durch die Wacholderheiden oder bei einem traditionellen Schäferfest: Die Schäferei lässt sich auf der Schwäbischen Alb auf vielfältige Weise entdecken. Mit etwas Glück begegnet man unterwegs einer Schafherde auf der Weide – am besten mit ausreichend Abstand zu den Tieren.
Besondere Einblicke bieten Schäferläufe, Feste und Veranstaltungen rund um die Schäferei. Zu den bekanntesten Traditionen gehört der Uracher Schäferlauf. Auch geführte Wanderungen vermitteln Wissenswertes über die Tiere, das Schäferhandwerk und die Landschaft.
Entdecke passende Veranstaltungen und Erlebnisse rund um die Schäferei auf der Schwäbischen Alb.